42 | Unsicherheit
Shownotes
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00:00:03: Willkommen bei Only One Question, der Podcast über die Fragen, die wir alle in uns tragen.
00:00:10: In jeder Folge geht es genau um eine Frage mit so vielen möglichen Antworten – ein Podcast über das Leben, persönliche Entwicklung und Psychologie.
00:00:21: Ehrlich?
00:00:22: Ohne schnelle Antworten für Gedanken, die bleiben!
00:00:26: Ich bin Joey, Psychologin.
00:00:31: Warum fällt es uns so schwer, nicht zu wissen was kommt?
00:00:35: Eine Folge über Unsicherheiten vorhersagen und unseren Wunsch die Zukunft zu erkennen.
00:00:43: Es gibt Dinge, die wir gerne wissen würden.
00:00:46: Wird das gut gehen?
00:00:48: Habe ich die richtige Entscheidung getroffen?
00:00:51: Was denkt dieser Mensch wirklich über mich?
00:00:54: Werde ich den Job bekommen?
00:00:56: Wird diese Beziehung funktionieren?
00:00:58: wird sich etwas ändern?
00:01:00: Und manchmal gibt es darauf einfach keine Antwort.
00:01:04: Noch nicht!
00:01:06: Manchmal vielleicht, sogar niemals.
00:01:10: Und genau das kann erstaunlich schwer auszuhalten sein, denn wenn wir etwas nicht wissen beginnt unser Kopf oft damit die Lücke zu füllen.
00:01:18: Wir überlegen und analysieren.
00:01:20: Wir spielen unzählige Szenarien durch.
00:01:24: Wir versuchen Hinweise zu finden.
00:01:26: Wir lesen Nachrichten nochmal.
00:01:28: Wir interpretieren einen Blick Wir fragen Freunde, wir suchen nach Informationen und irgendwann merken wir?
00:01:36: Wir wissen immer noch nicht mehr.
00:01:38: Aber wir haben sehr viel darüber nachgedacht!
00:01:41: Warum machen wir
00:01:42: das?!
00:01:43: Warum ist Unsicherheit für uns so unangenehm und warum fühlt sich Nichtwissen manchmal fast gefährlicher an als eine schlechte Antwort?
00:01:54: Und da mich das mein Leben lang schon begleitet – und vielleicht eine der größten Herausforderungen für mich ganz persönliches… Habe ich mir gedacht, ihr fragt euch das bestimmt auch manchmal.
00:02:30: Wenn dunkle Wolken aufziehen, nehmen wir vielleicht ein Regenschirm.
00:02:34: Wenn jemand Wüten wirkt überlegen wie wir reagieren sollten und eine Prüfung vor uns haben dann lernen wir halt!
00:02:41: Vorhersagen helfen uns uns auf die Welt einzustellen.
00:02:46: Das Problem beginnt immer dort wo wir etwas vorher sagen wollen was nicht zuverlässig vorhersagbar ist.
00:02:53: zum Beispiel Was wird passieren?
00:02:56: Und plötzlich versucht unser Gehirn Aus sehr wenig Information, sehr viel Sicherheit zu machen.
00:03:04: Unsicherheit bedeutet dabei für unser Gehirn es gibt mehrere mögliche Zukunfts.
00:03:11: Ich habe ein paar Mal überlegt, gibt's das Wort überhaupt eigentlich?
00:03:14: Also Pluchall von Zukunft!
00:03:16: Ich hab mich nicht erinnern können das jemals zu sagen aber es gibt tatsächlich Zukunft.
00:03:22: Wir wissen nicht welche davon eintreten wird.
00:03:26: in unserem Kopf kann es ja mehr als nur eine Zukunft geben.
00:03:31: Und da wir nicht wissen, welche von diesen Szenarien eintreten wird ist das ja auch ein bisschen was anderes als zum Beispiel eine negative Nachricht.
00:03:41: Wenn jemand z.B.
00:03:42: sagt Es wird definitiv nicht funktionieren Dann ist das vielleicht schmerzhaft Aber total eindeutig!
00:03:50: Wenn jemand sagt Wir wissen das noch nicht Bleiben alle Möglichkeiten offen.
00:03:56: Genau diese Offenheit kann psychologisch ziemlich belastend sein.
00:04:01: In der Forschung wird das auch unter anderem als Intoleranz gegenüber Unsicherheit beschrieben, Menschen unterscheiden sich darin durchaus wie gut sie mit Ungewissheit umgehen können.
00:04:13: für manche ist ein Mal sehen völlig in Ordnung und okay für andere beginnt genau dort das Gedankenkarussell Und vielleicht kennst du dich selbst irgendwie auch auf diesem Spektrum wieder.
00:04:27: Ein faszinierender Aspekt daran ist, dass manchmal wünschen wir uns nicht einmal unbedingt eine gute Antwort.
00:04:33: Wir wünscht uns einfach eine Antwort!
00:04:36: Hauptsache – wir wissen woran wir sind.
00:04:39: Denn eine schlechte Gewissheit kann sich paradoxerweise unangenehmer anfühlen als eine offene Frage.
00:04:46: Ein Es wird nichts tut weh.
00:04:49: Also vielleicht den nach dem was das so oder so ist?
00:04:52: Aber jetzt weiß man es auf jeden Fall ein.
00:04:54: Vielleicht lässt alles offen Und obwohl man ja erst denken könnte, das ist doch super!
00:04:59: Weil es könnte auch positiv enden.
00:05:02: Dieses Es lässt alles offen... ...ist für uns sehr schwer auszuhalten und genau deshalb können wir manchmal sogar vorschnell negative Annahmen treffen also Dinge die wir nicht wissen aber vermuten.
00:05:14: er hat also nicht geantwortet.
00:05:15: mal als Beispiel und daraus ziehen wir erst bestimmt sauer.
00:05:19: Das Bewerbungsgespräch lief bestimmt schlecht.
00:05:22: naja das wird sowieso nichts.
00:05:24: Eine negative Erklärung beendet die Unsicherheit, auch wenn sie möglicherweise überhaupt nicht stimmt.
00:05:30: Wenn wir nämlich etwas nicht wissen beginnt unser Gehirn damit zu simulieren.
00:05:36: Was wäre WEN?
00:05:38: Und wenn das passiert dann könnte ich und dann würde vielleicht und wenn es ganz schlimm kommt und diese Fähigkeit ist grundsätzlich auch sehr nützlich Wir können nämlich mögliche zukünfte durchspielen ohne sie tatsächlich erlebt haben zu müssen.
00:05:57: Aber irgendwann wird aus dieser Vorbereitung, dass also das Durchspielen von Szenarien und auch sich ein Stück weit darauf gefasst machen – und all das total sinnvoll – kann eben daraus grübeln werden!
00:06:08: Das Wort Grümeln ist am Podcast schon ein paar Mal gefallen und ich habe euch schon ein paarmal erzählt, dass das tückisch ist.
00:06:14: Deswegen habe ich mir überlegt in einer der nächsten Folgen werde ich mich grübeln nochmal ganz detailliert mit euch angucken.
00:06:23: Fallstrecke liegen zurück zum Thema.
00:06:26: Aber wenn wir da eben landen, dann produzieren wir nicht nur mehr Möglichkeiten um uns besser vorzubereiten und vorbereitet zu sein auf all diese Szenarien sondern wir produzieren Möglichkeiten weil wir diesen Unsicherheiten nicht mehr aushalten können.
00:06:46: Und das ist ein entscheidender Unterschied.
00:06:49: Wir treffen hier auf einem Thema dass wir schon sehr gut kennen Nämlich Kontrolle.
00:06:54: Wenn wir nämlich etwas nicht kontrollieren können, versuchen wir manchmal wenigstens darüber nachzudenken – also sprich Kontrolle durch Nachdenken!
00:07:03: Denn denken fühlt sich ja nach Aktivität an und Aktivitet fühlt es sich in der bestimmten Art und Weise an wie Kontrolle.
00:07:13: Wir können zwar eigentlich nichts daran ändern zum Beispiel ob uns jemand zurückrufen wird.
00:07:19: aber wir können ja mal darüber nachdenken.
00:07:22: Wir können nichts daran ändern, wie ein Bewerbungsgespräch ausgehen wird.
00:07:27: Aber wir können über jedes Detail nachdenken und alles analysieren!
00:07:33: Wir kennen die Zukunft nicht.
00:07:36: Aber die Szenarien dazu können wir durchspielen – gar kein Problem.
00:07:41: Und manchmal – und zwar für viele von uns – fühlt sich das für einen Moment beruhigend an nur denken es halt nicht dasselbe wie Kontrolle.
00:07:53: Natürlich ist Nachdenken nicht schlecht.
00:07:56: Wenn ich vor einer schwierigen Situation darüber nachdenke, was ich tun kann, dann ist das Vorbereitung!
00:08:04: Ich kann einen Plan machen, Informationen sammeln, Alternativen überlegen und dann ja aufhören ne?
00:08:12: Problematisch wird es wenn wir glauben, wenn ich nur lange genug darüber nach denke, kann ich verhindern dass etwas und vorhergesehenes passiert Und das können wir nicht.
00:08:24: Wir können uns vorbereiten, aber wir können nicht alle Möglichkeiten kontrollieren.
00:08:28: Und vielleicht ist genau das eine der schwierigsten Aufgaben im erwachsenen Leben – Unsicherheit aushalten!
00:08:35: Obwohl wir lieber Gewissheit hätten.
00:08:54: auf euren Socials teilt und anderen Leuten von OnlyOneQuestion erzählt.
00:09:00: Ich finde Unsicherheiten unglaublich schwer, sie wiegen schwer auf mir.
00:09:07: es ist so ein Status in dem es in die eine oder die andere Richtung geht vor allem wenn ich eigentlich auch wirklich nichts machen kann um das weiß!
00:09:16: Und das aushalten?
00:09:17: Heidewitz gar nicht.
00:09:18: sag euch das is echt ne Aufgabe.
00:09:22: vielleicht klingt des für einige von Euch banal aber ich habe hier Ein... ja, vielleicht für andere von euch in echt radikalen Gedanken als Vorschlag.
00:09:34: Die Zukunft über die wir uns Sorgen machen!
00:09:37: Also wir denken aber etwas nach was noch nicht passiert ist bei dem wir nicht mal wissen ob es passieren wird.
00:09:42: Das existiert noch gar nicht.
00:09:47: Wenn du dir also vorstellst was ist wenn es schief geht Ich hätte dann reagiert ein Körper möglicherweise bereits auf etwas das gerade überhaupt nicht passiert und was vielleicht auch nie passieren wird.
00:10:00: Dein Gehirn kann das aber, es kann nämlich zukünftige Situationen simulieren.
00:10:05: Aber dein Körper erlebt diese Situation dann beinahe wie eine reale Bedrohung – obwohl ich erinnere nochmal, dass ja in der Zukunft liegt und noch nicht passiert ist!
00:10:16: Und plötzlich sitzt du abends auf dem Sofa und bist erschöpft von einem Tag… tja den noch gar nicht stattgefunden hat.
00:10:22: Ich will euch einen Denkanstoß geben.
00:10:24: vielleicht hilft hier nämlich ne kleine Unterscheidung.
00:10:28: Nicht wissen bedeutet nicht automatisch, dass etwas Schlechtes passieren wird.
00:10:33: Es bedeutet zunächst nur ich weiß es nicht!
00:10:36: Das ist alles.
00:10:37: Nicht?
00:10:38: Es wird schief geben.
00:10:39: Nicht?!
00:10:40: Ich bin nicht vorbereitet.
00:10:41: Nicht!
00:10:41: Ich habe keine Kontrolle SONNEN!
00:10:43: Ich kenne den Ausgang noch nicht.
00:10:46: Vielleicht klingt das für den ein oder die andere unter euch ein bisschen weniger dramatisch und vielleicht ist genau da die Herausforderung, dass nicht Wissen Nicht sofort mit einer Geschichte zu füllen.
00:10:59: und ihr wisst ja, unser Gehirn liebt das Geschichten zu erzählen.
00:11:03: Wir denken über Unsicherheiten meistens nämlich negativ nach.
00:11:07: aber Unsicherheit bedeutet nicht nur es könnte schlimmer kommen sie bedeutet genauso Es könnte viel besser kommen.
00:11:14: wenn du nicht weißt ob etwas funktioniert.
00:11:17: Weißte auch nicht Ob ist vielleicht nicht funktioniert.
00:11:22: Wenn du nicht weiß wie sich eine Situation entwickelt ist die Geschichte noch nicht geschrieben.
00:11:27: Es kann Angst machen, es kann aber auch echte Freiheit bedeuten.
00:11:33: Nicht wissen ist nicht nur kontrolverlos – es ist auch Offenheit!
00:11:41: Vielleicht besteht die Lösung deshalb gar nicht daran Unsicherheit irgendwann vollständig loszuwerden?
00:11:47: Das werden wir ganz sicher nicht.
00:11:49: Das Leben ist nun mal unsicher.
00:11:51: Ziehungen sind unsicher, Gesundheit ist unsicher Berufliche Wege sind auch unsicher Entscheidungen sindunsicher Menschen sind unsicher.
00:12:03: Wir können einfach nicht alles wissen, wir können etwas anderes entwickeln wenn ihr Lust habt.
00:12:10: Nämlich Vertrauen in unsere Fähigkeit mit dem umzugehen was denn dann kommt.
00:12:18: und das könnte sogar unsere Gewissheit stärken Denn gewissheit sagt Ich weiß dass es gut gehen wird.
00:12:27: Vertrauen sagt ich weiß nicht wie's ausgeht aber ich werde damit umgehen können.
00:12:35: Und übrigens, falls es eine Frage gibt die euch schon ewig interessiert, die ihr mit euch rumtragt, die vielleicht auch schon mit euren Freundinnen und Freunden diskutiert habt schreibt mir gerne, kontaktiert mich auf socials kommentiert dem podcast und stellt mir eure frage die euch besonders interessiert.
00:12:59: Wie so häufig habe ich mal wieder ein kleines Experiment für euch vorbereitet.
00:13:04: Wenn du also das nächste Mal merkst, dass du unbedingt wissen möchtest wie etwas ausgeht, probier eine kleine Veränderung statt.
00:13:13: Was wird passieren?
00:13:15: Frag dich!
00:13:16: Was weiß ich gerade tatsächlich?
00:13:19: und dann was kann ich heute in Big Hubs unterstrichen drei Ausrufe zeichnen noch beeinflussen?
00:13:27: und schließlich Was darf ich noch offen lassen?
00:13:30: Gleich ist die letzte Frage, die schwierigste.
00:13:33: Leicht aber sogar die wichtigste!
00:13:35: Wir werden die Zukunft niemals vollständig kennen und vielleicht... ...ist das auch gut so.
00:13:42: So schwer mir Unsicherheit fällt Ich bin so froh dass sich nicht weiß was die Zukunft bringt.
00:13:49: Ich wünsche mir nur das allerbeste Und vor allen Dingen wünsch' ich mich für euch nur das Allerbeste.
00:13:55: Aber wenn Schweres kommt dann kommt es von ganz allein und es gibt einen großen Teil von mir Der Happy ist, dass ich das noch nicht weiß.
00:14:03: Denn ein Leben in dem wir alles vorherwüsten... Ja, das wäre vielleicht sicherer aber wahrscheinlich auch langweilig oder sogar beängstigend!
00:14:15: Wir brauchen Unsicherheit nicht unbedingt zu lieben.
00:14:17: Ich weiß ganz sicher, ich werde wahrscheinlich Unsicherheiten nie lieben.
00:14:21: Wir müssen es auch nicht romantisieren und manche Dinge dürfen sich einfach mal unangenehm anfühlen.
00:14:27: Aber vielleicht können wir lernen nicht jede Unsicherkeit?
00:14:30: sofort auflösen zu müssen.
00:14:32: Lass uns lernen, so sagen – ich weiß es noch nicht?
00:14:37: Und diesen Satz nicht als Schwäche zu verstehen sondern als Realität!
00:14:43: Denn zwischen Ich weiß nicht was kommt und ich werde damit nicht klarkommen da liegt doch ein Riesenunterschied.
00:14:51: Als Frage zum Mitnehmen habe ich mir heute für euch überlegt könntet ihr mal überlegen Was würde sich verändern wenn ich nicht wissen müsste wie es ausgeht um trotzdem weiterzugehen.
00:15:04: Für mich ganz persönlich hat sich Bewert auch in der größten Unsicherheit, mir den kleinstmöglichen Schritt zu überlegen – eine ganz alte psychologische Herangehensweise aus dem therapeutischen Setting.
00:15:22: Um den Berg der Unsicherkeit so fühlt es sich nämlich immer für mich an besser begegnen zu können denn der kleinste mögliche Schritt ist auch in der größten Unsicherheit im Regelfall möglich und dafür muss ich nicht die Zukunft kennen, um ihr begegnen zu können.
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